Der Roman ist das Neue Testament aus dem wahren Leben

Roman-Rezension: Morgenlatten – Gefährten der Maturität
Von Dr. phil. Joachim H. Bürger, Neukirchen-Vluyn in der Alten Mühle in der Dong.

Es ist mir ein spontanes Bedürfnis, dem Autor Rudolf F. Thomas mein Kompliment auszusprechen. Ihm ist es gelungen, das Lebensgefühl seiner Menschen in den 50er- und 60er-Jahren hinter zwei Buchdeckeln regelrecht zu konservieren.
Die Roman-Form mit ihrem autobiografischen Hintergrund macht das Einfühlen in „unsere“ Jugendzeit so plastisch. Dabei möchte ich den überstrapazierten Begriff und zur Worthülse verkommenen Begriff „authentisch“ bewusst vermeiden.
Besonders beeindruckt hat mich, wie es dem Autor gelungen ist, die Denkweise und die Jugendsprache dieser wilden Jahre zu rekonstruieren. Wer so wie ich der gleichen Generation entstammt, bekommt beim Lesen innerlich einen nostalgischen Schub: „Ja, so war’s. Was war das für ein tolle Zeit!“
Je tiefer man in das Buch eindringt, desto mehr spielen sich Bilder im Kopf ab über die eigene spießige Familien-Situation und über das persönliche Ausbruchverhalten dieser Jahre. Geschichten wie „beim Barras tue ich so, als sei ich schwul und Alkoholiker“ gleicht man mit eigenen Bildern ab: Ich wurde vom Dienst an der Waffe wegen angeblicher „chronischer vegetativer Dystonie“ befreit.
In dieses bunte Leben, jenseits spießiger Konventionen und lähmendem Opportunismus heutiger Tage, bin ich durch das Buch „Morgenlatten“ wieder eingetaucht. Das Buch hat mich in meine Jugendzeit geführt.

Ich kann zwar nicht beurteilen, wie die heutige Generation diesen wortgewaltigen Ausflug in das Nachkriegsdeutschland annimmt. Aber ich hoffe sehr, dass die einmalige Schreibweise dazu beiträgt, dass die „Generation der digitalen Revolutionäre“ begreift, wie spannend das Leben in der echten Welt war und wieder werden sollte.
Der Autor hat ihnen quasi das erste lebensbejahende „Geschichtsbuch“ geliefert. Es müsste für den Schulunterricht verordnet werden. Es ist nämlich vielmehr als nur ein „Ausflug“ in die Vergangenheit: Es ist das Neue Testament aus dem wahren Leben.

„Thomy Mayonnaise“

Ein Spitzname! Entstanden ist er aus dem Vornamen Thomas und Mayonnaise. Thomy Mayonnaise kam 1954 in Tuben auf den deutschen Markt. Von nun an war es keine Seltenheit Mayonnaise auch als Brotaufstrich zu verwenden. In den 60-er-Jahren wurden Pommes mit Mayo zur Leibspeise der Jugend und der Twens. Die Hauptfigur im Roman „Morgenlatten – Gefährten der Maturität“ bekam in dieser Zeit seinen Spitznamen „Thomy Mayonnaise“ verliehen. Denn für Thomy war klar: „Ein Tag ohne Mayonnaise, ist ein verlorener Tag.“

RFT-PRESSE liefert Informationen über das, was die Medien über den Schriftsteller Rudolf F. Thomas und seine Bücher berichten.
Jede Woche am Donnerstag erscheint der RFT-Newsletter.
silke.lehmann@rft-presse.de